http://tl.dvz.de/news/fair_news

?Wir nehmen die Digitalisierung sehr ernst"

06.05.2015

?Wir nehmen die Digitalisierung sehr ernst"

Bahnchef Rüdiger Grube über Mega-Trends im Gütertransport´.

transport logistic Daily: Herr Grube, Ihr Unternehmen hat für Furore gesorgt: Die Apple Watch ist noch nicht an alle Besteller ausgeliefert, da hat die DB schon eine App für Reisekunden. Wann kommen die Logistikkunden in den Genuss solcher Anwendungen? Grube: Im Personenverkehr haben wir jeden Tag 7,5 Mio. Kunden. Da ist die Apple Watch ein einfacher Reisebegleiter, um viele Reisedaten zur Verfügung zu stellen. Aber natürlich handeln wir auch in der Logistik, auch dort gibt es Apps. Oder nehmen Sie das Beispiel ?Drive 4 Schenker" im Landverkehr, wo wir künftig internetgestützt europaweit die komplette Fahrer- und Fahrzeugdisposition durchführen. Der gesamte DB-Schenker-Logistics-Vorstand war Anfang des Jahres im Silicon Valley. Da werden die Trends auf dem Gebiet Digitalisierung gesetzt, die wir sehr ernst nehmen. Wohin gehen diese Trends? Schneller, einfacher, digitaler. Das ist auch das Motto für unseren Messeauftritt in München. Am Armgelenk können sich Logistiker über DB-Schenker-Lösungen aber offenbar noch nicht informieren. Welche Anwendungen nützen denn diesen Kunden? eSchenker zum Beispiel. Damit kann der Kunde seine Sendung in jeder Minute genau verfolgen. Wenn es sich um Container handelt, weiß der Kunde, wo sich die Box befindet, welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Inneren herrscht und ob sie verschlossen ist. Gerade bei intermodalen Transporten beispielsweise von China nach Brasilien sind das ganz wichtige Informationen. Sie verschaffen uns Vorteile im Wettbewerb. Darum sehe ich Digitalisierung auch nicht als Bedrohung. Digitalisierung ist eine große Chance. Aber Chancen muss man auch ergreifen. Denn eines steht fest: Wenn wir es nicht machen, machen es andere. Wir wollen Treiber und nicht Getriebener sein. Kommen wir von der Digitalisierung zu handfesten Themen: Branchenbeobachter haben den Eindruck, dass Sie derzeit weniger an Zukäufen interessiert sind als an organischem Wachstum. In den zurückliegenden Jahren haben wir immer wieder kleinere und mittlere Akquisitionen gemacht. Dabei handelt es sich nicht immer um Milliarden-investitionen; das Logistikgeschäft besteht ja gerade darin, vorhandene Netzwerke besser zu nutzen. Die Investitionen, die wir tätigen, ergänzen eher die Wertschöpfungskette. Größe ist nicht entscheidend. Entscheidend sind die Qualität, die Flexibilität und die Möglichkeiten der Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen. Wo wollen Sie regional wachsen? Regional ist der Raum Asien/Pazifik der Wachstumsträger, dort machen wir rund 3,5 Mrd. EUR Umsatz. In China sind wir heute bereits mit 5000 Mitarbeitern vertreten. Die Wachstumsraten liegen höher als in allen anderen Regionen. Zweite wichtige Wachstumsregion ist der Mittlere Osten. Dort sind wir heute hervorragend aufgestellt ? sowohl in der Logistik als auch im Schienengüterverkehr. Das wollen wir weiter ausbauen. Dann natürlich Südamerika; das ist eine Region, die weiter stark wachsen wird. Haben Sie nicht vor, über große Zukäufe Marktanteile zu gewinnen, sofern Sie ein Unternehmen erwerben können, das passt? Sie haben das mitbekommen: Die Logistik befindet sich in einer Konsolidierungsphase, diese Entwicklung wird weitergehen. Die Übernahme von TNT durch Fedex ist ein erster großer Schritt in diese Richtung. Wir werden weitere Konsolidierungsschritte erleben, all das werden wir beobachten und in unserer Strategie hinterlegen und handeln.?(ben)

Close

App-Sponsoren