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Stückgut wird teurer

07.05.2015

Stückgut wird teurer

Mindestlohn und Maut schlagen durch.

Die?Stückgutspeditionen ächzen unter zusätzlichen Kostenbelastungen, die sich aus dem Mindestlohngesetz und den bevorstehenden Mautänderungen ergeben. Aber: ?Bisher können wir diese Anhebungen nicht wie geplant in den Preisgesprächen weitergeben", konstatierte Aloys Winn, Landverkehrschef der Schenker Deutschland AG, im Rahmen der sehr gut besuchten Podiumsdiskussion ?Zwischen Mindestlohn und Maut: Gerät der Stückgutmarkt unter Druck?", zu der der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) gestern in Halle A4 eingeladen hatte. Hälfte des Ergebnisses weg Neben der Haftungsproblematik beim Mindestlohn für eingesetzte Dienstleister führe das Mindestlohngesetz allein zu einer durchschnittlichen Kostensteigerung von 1,2 Prozent, zitierte Prof. Dirk Lohre von Steinbeis-Beratungszentrum Spedition und Logistik aus einer von ihm für mehrere Stückgutkooperationen erstellen Analyse. ?Bei Margen von 2 bis 2,5 Prozent im Stückgut ist damit der Hälfte des Ergebnisses weg", präzisierte IDS-Chef Michael Bargl. Es gibt nach der Lohre-Untersuchung aber auch Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern oder Niederbayern, in denen die Kosten um 5 bis 6 Prozent gestiegen seien. Wenn es nicht gelinge, dies aufzufangen, dann werde es für die dortigen Betriebe kritisch und die Stückgutkooperationen bekämen Probleme, die erforderliche Flächendeckung sicherzustellen, mahnte 24 Plus-Geschäftsführer Peter Baumann. Auch die Mautausweitung auf weitere Bundesstraßen sowie auf die vor allem im Nahverkehr eingesetzten 7,5 ? 12-Tonner werden die Unternehmen kostenseitig zu spüren bekommen. Da sie in der Regel älter sind als Fernverkehrs-LKW kommen sie auch nicht so oft in den Genuss der günstigsten Mautsätze. Aber auch hierzu wird Lohre im Auftrag des DSLV in den kommenden Monaten eine detaillierte Analyse erstellen. Verlader will an Prozessen feilen Eine reine Preisdiskussion wegen der steigenden Kosten ist Verladervertreter Eckhard Bergmann, Leiter des Geschäftsbereichs Supply Chain bei der Papier Union, Hamburg, indes zu einfach. ?Wir sollten lieber gemeinsam die Prozesse und ihre Kosten überprüfen", sieht er einen Ansatz ?und eine Chance". So sei die Papier Union gerade eine logistische Kooperation mit einem Wettbewerber eingegangen, um die Logistik zu optimieren. Grundsätzlich sind die Speditionen auch gern bereit, gemeinsam an Prozessverbesserungen zu arbeiten, unterstrich Schenker-Vorstand Winn. ?Das machen wir schon seit Jahren und müssen es auch in Zukunft tun. Andernfalls hätten wir ja angesichts der steigenden Kosten und der Preisentwicklung die niedrigen Margen nicht halten können." ?Haben wir uns nicht ausgesucht" Aber im Falle des Mindestlohns und der Maut handele es sich ?um Kosten, die wir uns nicht ausgesucht haben, sondern die uns der Gesetzgeber aufgedrückt hat", schränkte Baumann ein. Nicht nur er sieht deshalb angesichts der Margenschwäche dringenden Handlungsbedarf bei den Preisen ? auch Winn erwartet hierzu ?heiße Diskussionen mit den Verladern". Helfen soll dabei ein fundierter Kostenindex, an dem Lohre ebenfalls für den DSLV arbeitet. Dazu wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Stückgutspediteure befragt. ?Die Rücklaufquote umfasst Unternehmen, die etwa 21 Mio. Sendungen pro Jahr steuern,", deutet Lohre aussagefähige Werte an. Mit dieser Transparenz auch für einzelne Transportabschnitte, so hofft IDS-Geschäftsführer Bargl, könnten in Zukunft die Handlungsfelder gemeinsam definiert und Prozesse verbessert werden. Dazu könne dann aber auch gehören, ?dass wir bei einem Kunden nicht jeden Tag eine Palette abholen, sondern vielleicht nur noch einmal pro Woche fünf."

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